Selfie mit Gott

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Taugen Kapellen als Selfie-Kulisse? Und hilft Gott beim Lottospielen? Eine unglaubliche Pilgerreise nach Altötting.

Von Josa Mania-Schlegel

Seit Hape Kerkelings Roman „Ich bin dann mal weg“ ist klar: Pilger sind manchmal ganz schön durchgeknallt. Aber wie steht es um die Wallfahrtsorte, die regelmäßig von Gläubigen durchströmt werden?

Altötting, im tiefsten Bayern, ist so ein Ort. Nach einem obligatorischen Selfie an der Gnadenkapelle versuchte ich die Jesus-Actionfiguren und Plastikkreuze mal auszublenden. Und entdeckte unerwartete Dinge.

 

1. BigMac-Maria

Was sehen Pilger als erstes, wenn sie mit dem Zug nach Altötting fahren? Den Dachgiebel der Basilika St. Anna? Die Spitze der St.-Josefs-Kirche? Alles falsch! Es ist das gelb leuchtende, in den Himmel ragende „M“ eines amerikanischen Schnellrestaurants. Und nein, „M“ steht nicht für „Maria“.

 

2. Jackpot mit Gott

Glücksspiel im geweihten Ort? Eva Blüml ist die Inhaberin der Lottoannahmestelle in Altötting. Sie glaubt: Maria hilft auch beim Loseziehen und Kreuzemachen. Einen Millionengewinn hat ihr Kiosk zwar noch nie ausgezahlt, aber dennoch: Lottospielende Pilger gehören zu ihrem Hauptgeschäft.

 

3. Gepfefferte Predigt

Dass sich mit Pilgern Geld verdienen lässt, darum macht die Schuhbeck-Kette kein Geheimnis: „Seit Mai 2016 ist der Wallfahrtsort Altötting um eine kulinarische Shopping- Attraktion reicher“, titelt die Website von Starkoch Alfons Schuhbecks Gewürz- und Restaurantkette. In Altötting haben sie den alten Laden eines Devotionalien-Händlers umgebaut. Statt Weihrauch und Myrrhe gibt es hier jetzt Oregano und Kardamom.

 

4. St. Schnitzel

Wenn der Papst Altötting besucht, kommen seine Bodyguards mit. Und die 150 hungrigen Männer der Schweizer Garde müssen erstmal verköstigt werden. Für solche Anlässe hat sich das Café Plankl in Altötting ein besonders deftiges Gericht ausgedacht: Das saftige „Garde-Steak“ wurde hier erfunden. Wird mit Zwiebel-Senf-Kräuter-Kruste überbacken und — für das heimatliche Gefühl — an Schweizer Rösti serviert.

 

5. Holy Schutz!

Versicherungen in Altötting: Eine schützende Hand? Für Pilger gibt Allianz-Vetreter Ulrich Kammergruber jedenfalls keine Rabatte. Trotzdem wenden sich viele Bayern gern an Vertreter aus dem Pilgerort – vielleicht in der Hoffnung auf Marias Segen bei der nächsten Hausratsversicherung. „Vielleicht ist was dran und es hilft! Mir wärs recht, dann zahlen wir weniger“, sagt Kammergruber.

 

Die Stationen meiner Reise gibt es hier:

 

Lust auf mehr? Das erwartet dich im RLY?-Magazin:

„Geht ein Ossi nach Altötting.“ Ok, ich habe keine Ahnung von Gott. Aber ich habe mir fürs RLY?-Magazin im tiefsten Bayern einen religiösen Rundumschlag gegeben: im berühmten Pilgerort Altötting, 300 Kilometer von meiner ostdeutschen Heimat entfernt. Was mir dort noch so alles passiert ist, werdet ihr kaum glauben.

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