Petplay: Das Tier in mir

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Beim Petplay verkleiden sich Menschen als Pferde und Hunde. Sie bellen, schnauben und lassen sich vor sogar vor eine Kutsche spannen. Warum?

Von Karen Bauer

SIE mag es wenn ihr Menschen gehorchen. ER genießt den devoten Part: „Rittmeisterin“ Gabriele Edel und Bernd Schneider machen gemeinsam Ponyplay. Vor 12 Jahren lernten sie sich in einem Internetforum kennen, seitdem sind sie befreundet.

Als Pferd Dodo zieht Schneider die Rittmeisterin in einer leichten Sportkutsche, manchmal länger als eine Stunde. Wenn Pferd Dodo nicht gehorcht, bekommt er einen Klaps mit der Peitsche oder wird von der Rittmeisterin in Arm oder Brustwarze gekniffen.

Die Lust, gezüchtigt zu werden

Video: Karen Bauer

Im bürgerlichen Leben ist Bernd Schneider Politikwissenschaftler und Clown im Ruhestand. Gabriele Edel leitet eine Immobilienfirma. Vor neun Jahren gründete sie  in Augsburg einen Verein mit dem Namen „Specialevents“.

„Ich wollte Menschen mit echter Neigung zu BDSM einen Raum geben, ihre Neigung auszuleben“, erklärt Edel. Domina-Übungstage, Schlagtage, Arbeitstage für Sklaven – fast wöchentlich finden Events statt. Einmal im Monat lädt der Verein zur Petplay Party ein. Alles hier geschieht freiwillig und im gegenseitigen Einvernehmen, wie Edel betont.

 

Fotos: Karen Bauer, David-Pierce Brill

Wolf im Latex-Pelz

Auf der Party streunt auch ein Wolf herum: Seit mehr als zehn Jahren verbringt Oliver Maier* seine Freizeit als Tier. Der 30-jährige Informatiker aus Heidenheim schlüpft dazu in ein Ganzkörperkostüm. 0,8 Millimeter dick ist sein Anzug aus Latex. Beim Anziehen braucht er Hilfe, auch bei den Pfoten. Die Maske ist eine Maßanfertigung aus den USA. Mehr als 1000 Euro hat sein Outfit gekostet.

Fotos: Karen Bauer

Als Wolf Lupus kann Oliver Maier seine Pflichten als Mensch für eine Weile vergessen. Er lebt ganz im Hier und Jetzt, wie er erzählt. Auf der Petplay Party in Augsburg leistet ihm ein Artgenosse Gesellschaft: Der menschliche Dobermann „Zeus“. Sein Frauchen Madame Baylis nennt ihn „Welpi“.

Video: Karen Bauer

Für Oliver Maier hat Petplay nichts mit sexueller Lust zu tun. Er ist asexuell veranlagt, wie er erzählt, und lehnt jegliche sexuellen Handlungen ab. Derzeit ist Lupus ein Streuner ohne Frauchen oder Herrchen. Auf der Petplay Party erteilt ihm Rittmeisterin Gabriele eine Lektion.

 

Video: Karen Bauer

Ponyplay als Fetisch

Wolfgang Hermann* aus Nürnberg lebt beim Ponyplay seinen Latex-Fetisch aus: Es erregt ihn, den engen Latexanzug anzuziehen. Er mag es, wenn die Trense in seine Mundwinkel schneidet und seine Hände mit Gurten fixiert sind. Die Hufstiefel mit echten Hufeisen hat Hermann für 229 Euro bei Ebay ersteigert.

Fotos: Karen Bauer

Bis jetzt hat er sein Kostüm nur zuhause anprobiert.  Bei der Petplay Party in Augsburg trägt er den Anzug zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. Rittmeisterin Gabriele nutzt die Gelegenheit für ein paar Dressur-Übungen im Sulky. Einen Pferdenamen hat Hermann aber nicht. Das Rollenspiel reizt ihn weniger, erzählt er.

 

GIF: Karen Bauer

„Ich bin das Pferd und stolz darauf“

Marvin Berger*, 37, Software-Berater, macht seit zehn Jahren Ponyplay. Sein Pferdename ist Nighty, die Rolle ist Teil seiner Identität geworden: „Als ich meine Rolle gefunden habe, das war der Moment, als ich mich komplett gefühlt habe“, sagt er.

Heute spielt er meist mit seiner Freundin. Das Paar genießt dabei die Kommunikation ohne Worte. Sie unterhalten sich nur durch Zügel und Körpersprache. Die volle Verkleidung trägt Berger nur für Auftritte und bei besonderen Anlässen wie etwa auf der Erotikmesse Venus in Berlin oder beim Christopher Street Day. Beim privaten Spiel und im Training stören ihn die Hufe und die Maske. Dann begnügt sich mit einer Trense und einem Schweif.

 

Fotos: Marvin Berger

*Namen geändert

Lust auf mehr? Das erwartet dich im RLY?-Magazin:

Wie viel hat Petplay mit Sex zu tun? Das erzählt „Pferd Dodo“ fürs RLY-Magazin. Und Rittmeisterin Gabriele erklärt, wie weit Petplayer gehen können, wenn sie ihre menschlichen Rechte und Pflichten fallen lassen.

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