Das erste Crowdfunding in der Geschichte der DJS

Wir haben ein gedrucktes Magazin im Internet verkauft. In drei Wochen konnten wir rund 2.300 Euro crowdfunden. Warum wir das gemacht haben? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie hat das mit „RLY“ überhaupt angefangen?

Seit Juni 2016 posten wir von der Lehrredaktion 54B Spruchbilder auf Facebook und Instagram, ein Social-Media-Projekt der Deutschen Journalistenschule. Wir nutzen den Look von viralen Sprüche-Seiten wie Made my Day, verbreiten aber echte Nachrichten. Eine tägliche Dosis WTF-News.

Warum hieß RLY früher mal HÄ?

Als wir noch HÄ hießen, waren sich einige Nutzer nicht sicher, ob wir Satire machen – und wollten wissen, ob die Welt wirklich so irrsinnig ist. Das ist sie. Alle unsere News sind real. Deshalb haben wir uns RLY genannt. Außerdem kann man RLY nicht mehr mit dem HÄ-Magazin der Schweizer Rotpunkt-Apotheken verwechseln. Und: Ohne Umlaut im Namen findet man uns besser auf Facebook.

Ist RLY Journalismus?

Ja, denn hinter jedem Spruchbild steht eine Geschichte aus der aktuellen Berichterstattung. Ein hintergründiger Artikel zum Weiterlesen ist in jedem Post verlinkt. Die Hintergründe stammen von großen Portalen wie Spiegel Online, Zeit Online oder SZ.de.

Warum ausgerechnet Spruchbilder?

Spruchbilder sind ideal, um Infos in den sozialen Medien zu verbreiten. Sehr gut klappt das mit Satire, zum Beispiel beim Faktillon, oder mit Fun Facts, zum Beispiel bei Faktastisch. Seriöser Journalismus schafft es aber kaum in die Feeds der Sprüche-Fans. Zudem bekommt er Konkurrenz von Fake-Infos und Propaganda. Deshalb glauben wir: Guter Journalismus braucht gute Spruchbilder. „RLY“ ist die vielleicht erste Social-Media-Marke, die allein auf Spruchbild-Journalismus setzt. Unsere Vision haben wir in einem Gastbeitrag für Basic Thinking in fünf Thesen aufgeschrieben.

Warum ein gedrucktes Magazin?

Weil wir RLY sind! Zugegeben: Es ist etwas gaga, heute im Netz ein gedrucktes Magazin zu verkaufen. Die meisten Nutzer sind Kostenlos-Journalismus gewohnt, die Auflagen vieler Zeitungen sinken… wir haben es einfach trotzdem probiert. Wir wollten testen: Lassen sich aus unseren über 4.000 Fans wirklich keine zahlenden Print-Leser machen? Haben die wirklich keine Lust auf gedruckte, lange Texte? Ist das Netz wirklich der Feind des Print-Journalismus? Also haben wir Ende Oktober 2016 auf Startnext.com zum Crowdfunding fürs RLY-Magazin aufgerufen. Longreads statt Spruchbilder, geduldiges Papier statt schnelle Klicks. Finanzierungsziel: 2.000 Euro.

Hat das Crowdfunding geklappt?

Ja! Nach drei Wochen Crowdfunding konnten wir etwa 2.300 Euro sammeln und rund 200 Magazine verkaufen. Einige Leser haben wir über Facebook gewonnen. Andere sind selbst Medienmacher und haben uns entdeckt, weil verschiedene Blogs über RLY berichtet haben. Von unseren Instagram-Fans hat sich leider kaum wer fürs gedruckte Magazin interessiert.

Was ging da eigentlich auf Twitter ab?

Auf Twitter gab es High Fives und Shoutouts von vielen deutschen Medienmachern, unter anderem Richard Gutjahr, Stefan Plöchinger und turi2.

Hat RLY denn nun die Sprüche-Fans erreicht?

Ja, vor allem auf Instagram! Obwohl wir dort nur 800 Fans haben, sammeln unsere Instagram-Spruchbilder hunderte Likes, und die Fans sind vor allem Teenager. Auf Facebook hat „RLY“ zwar 4.000 Fans. Likes gibt es dort aber deutlich weniger, und die Facebook-Fans sind meist Mitte Zwanzig. Auch wenn unser Spruchbild-Journalismus auf Instagram gut funktioniert – Fans fürs gedruckte Magazin konnten wir dort kaum gewinnen. So etwas ist den Instagram-Nutzern wohl zu oldschool.

Das Fazit nach dem Crowdfunding?

Unser Fazit ist gemischt. Was wir feiern: Mit der Crowdfunding-Kampagne konnten wir Druck und Versand finanzieren und eine kleine Zielgruppe aus Print-Fans erreichen. Aus dem Stand und in Eigenregie. Außerdem hatten wir eine Menge Spaß beim Werben, Facebook-Livestreamen und Promo-Videos-Machen. Und auf Instagram gehen unsere Posts voll ab. Was wir bedauern: Das RLY-Crowdfunding war kein Rezept für große Reichweite. Recherche und Produktion des Magazins hätten wir mit so einem Crowdfunding nur schwer finanzieren können. Und die Conversion von Instagram hat überhaupt nicht geklappt. Kurzum: Print lebt – aber nur für Liebhaber.

Wie geht’s jetzt weiter?

Erstmal gibt’s weiter täglich Spruchbild-Journalismus auf Facebook und Instagram. Und RLY wäre nicht RLY, wenn wir nicht Lust auf neue, verrückte Ideen hätten 😉

Stand: 19. Dezember 2016.